Tinkturen und Liquide

Tinkturen und Liquide

Viele Gärtner möchten die Aromen ihrer Pflanzen auch nach dem Verblühen dauerhaft bewahren. Die einfachste Methode ist die des Trocknens. Getrocknete Kräuter halten sich viele Monate, manchmal sogar Jahre. Leider ist der Genuss trockener Pflanzenmasse mit Aufwand verbunden. Entweder muss das Gut erhitzt, verbrannt oder in heißem Wasser aufgebrüht werden. Beides ist nicht optimal, weil die begehrten Inhaltsstoffe oft nicht wasserlöslich sind und beim Erhitzen Aromen verloren gehen. Ein gut gangbarer Weg zur Konservierung ist die Herstellung einer Tinktur, in der die gewünschten Stoffe enthalten sind. Dabei sind zwei Wege möglich, die beide zu dem gewünschten Ergebnis führen.

Wichtig ist es zu wissen, dass manche der gewünschten Substanzen sich erst durch Erhitzung oder durch Lagerung entwickeln. Darum verwerten viele Freunde der Tinkturen ihre Pflanzen erst nach einer drei bis vier Monate langen Lagerung weiter.

Alkoholauszug

Für einen genießbaren Auszug wird möglichst hochkonzentrierter Ethylalkohol benötigt. Natürlich reicht auch Schnaps aus dem Supermarkt aus. Aber der kann nicht so viele Inhaltsstoffe lösen, wie z. B. Ethylalkohol aus der Apotheke, der mit 70% Volumenanteilen Alkohol besser geeignet ist.

Die Kräuter werden im Verhältnis 1:10 mit Alkohol übergossen. Also z. B. 10 Gramm Pflanzenmasse und 100 Milliliter Alkohol. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das Material komplett bedeckt ist. Am Besten wird dies in einem verschließbaren Glas gemacht, das danach in die Tiefkühltruhe kommt und einmal täglich leicht geschüttelt wird. Gekühlt werden zwar die gewünschten Inhaltstoffe gelöst, aber das Blattgrün nur zum Teil. Zwar sind in der fertigen Tinktur auch Spuren von Chlorophyll zu finden, aber die sollten bei einer oralen Aufnahme nicht stören.

Nach einer Woche im Tiefkühlfach sind alle wichtigen Bestandteile gelöst und der Alkohol wird durch einen Kaffeefilter abgeschüttet. Selbstverständlich werden die verbleibenden Blattreste möglichst gut ausgepresst, damit nichts verschwendet wird. Soll der Auszug möglichst rein sein, wird dieser noch mit Aktivkohle gereinigt. Dazu werden 15 Gramm Aktivkohle je 100 Milliliter Auszug eingerührt, gut durchgeschüttelt und einen Tag lang stehen lassen. Danach ist der Auszug fast klar, sollte allerdings erneut gefiltert werden. Leider nimmt die Aktivkohle auch feinere Aromen auf, da muss der Anwender abwägen.

Handelt es sich um einen Auszug von Heilkräutern, wird dieser an einem dunklen, kühlen Ort mit Angabe des Herstellungsdatums aufbewahrt. Es bleibt so lange Zeit wirksam. Sind die Wirkstoffe lipophil, also fettliebend, kann für den täglichen Bedarf ein kleines Pipettenfläschchen aufgefüllt und die gewünschte Dosis mittels der Pipette tröpfchenweise unter die Zunge geträufelt werden. Durch diese sublinguale Aufnahme gelangen die Wirkstoffe sofort in den Blutkreislauf und werden nicht, wie beim Schlucken, über den Umweg der Leber aufgenommen.

Um die Wirkstoffe rein zu erhalten, wird der Alkoholauszug an einem gut gelüfteten Ort ausdünsten lassen. Übrig bleiben die Inhaltsstoffe, die vielfältig weiter verwendet werden können. Viele Harze können z. B. in Liquid für elektrische Zigaretten aufgelöst und danach unauffällig inhaliert werden. Allerdings ist in diesem Fall eine Reinigung mit Aktivkohle sinnvoll. Weiter unten wird die Herstellung von Liquid für elektrische Zigaretten näher beschrieben.

Auch die Inhalation der reinen Harze selbst ist möglich und wird oft praktiziert. Ein Tupfer Harz, der auf einem Streifen Aluminiumfolie aufgebracht wird, kann mittels einer Kerze verdampft und – je nach Art des Harzes – ohne Gefahr für die Gesundheit inhaliert werden.

Ölauszug

Noch einfacher als ein Alkoholauszug ist der Ölauszug herzustellen. Er wird zur ersten Wahl, wenn eine Tinktur benötigt wird, die einem empfindlichen Menschen auf die Haut aufgetragen werden soll. Auch ist der Geschmack der Tinktur etwas besser, darum wird er auch gerne unter die Zunge getropft und sublingual genossen. Durch die Herstellungsart bleiben die feinen Aromen der Pflanze erhalten und eine Reinigung ist in der Regel weder nötig noch sinnvoll.

Zur Herstellung wird als Erstes ein hochwertiges Pflanzenöl gewählt. Das ist wichtig, weil minderwertige Öle einen schlechten Geschmack haben und meist schnell verharzen. Olivenöl ist in der Regel sehr gut geeignet und in akzeptabler Qualität zu moderaten Preisen erhältlich.

Der zweite Schritt ist wie gehabt. Die Kräuter kommen in ein verschließbares Glas und werden mit dem Öl bedeckt. Die meist lipophilen Aromen werden nun in dem Öl gelöst, das dauert um die drei Wochen. In dieser Zeit wird das Glas an einem dunklen Ort aufbewahrt und gelegentlich ein wenig umgerührt bzw. geschüttelt. Der fertige Auszug kann im Kühlschrank längere Zeit verbleiben, sollte aber binnen eines Jahres aufgebraucht werden. Spätestens, wenn das Öl muffig riecht, ist es schlecht geworden und muss entsorgt werden.

Liquid für die elektrische Zigarette

Manche Kräuter sind so aromatisch, dass sie als Grundlage für die Herstellung eines Liquids für elektrische Zigaretten dienen können. Dazu wird der Alkoholauszug völlig eintrocknen lassen, damit die reinen Aromen übrig bleiben. Diese werden dann mit dem Liquid, das idealerweise eine Mischung zu jeweils gleichen Teilen aus Propylenglykol und vegetarischem Glyzerin ist, vermengt. Anfängern wird empfohlen, sich eine fertige, geschmacksneutrale Mischung ohne Nikotin aus dem Fachhandel zu besorgen.

Damit die Aromen sich in dem Liquid auflösen, kann es nötig sein, sie vorher in etwas hochprozentigem Ethylalkohol (90%) aufzulösen. Es ist die minimale Menge zu wählen, weil eine Mischung, die mehr als 10% Alkohol enthält, beim Inhalieren im Hals kratzt.

Flocken die Aromen beim Mischen aus, ist das kein Beinbruch. Sie können später weiter verwendet werden oder es wird mehr Alkohol bzw. vorgefertigtes Liquid zugegeben. Ist die Mischung gelungen, hat der Kräuterfreund ein lang haltbares Liquid, das unauffällig und geruchsneutral genossen werden kann.

Fazit

Die Herstellung von Auszügen ist eine sinnvolle Angelegenheit, weil diese Auszüge ohne unbeabsichtigte Nebenwirkungen genossen werden können. Die Aufnahme von Aromen durch die Inhalation des Rauches verbrannter Pflanzen hat immer negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Dies entfällt bei der Inhalation des Liquids oder der sublingualen Aufnahme der Tinkturen. Dazu kommen die bessere Dosierbarkeit, der unauffällige Genuss und die lange Haltbarkeit. Kurzum, die Herstellung von Tinkturen und Liquide sind nützliche Verfahren, um die Palette der Anwendungen bestimmter Kräuter zu verbreitern.