Grow! Magazin – Testbericht zur Rail120+

Grow Magazin Bericht Rail120+

Viele Grower sind noch sehr zurückhaltend, wenn es um LED-Lampen geht. In der Vergangenheit wurden oft Qualitätsmerkmale beworben, wie zum Beispiel, dass eine 200-Watt-LED mit einer 400-Watt-HPS-Lampe mithalten kann. Diese vollmundigen Versprechen konnten dann jedoch nicht eingehalten werden, was bei vielen Indoorgärtnern zu wohl berechtigtem Misstrauen führte. So erging es auch unserem Testgrower, der zu Beginn sehr skeptisch war, ob er die Rail 120 Watt von Growking® überhaupt einsetzen sollte und ob sie auch halten kann, was ihr Hersteller verspricht.

Zuvor hatte er 20 Jahre lang nur mit HPS-Lampen gearbeitet. Mit leichter Skepsis montierte er in einem Growzelt von 1,2 x 1,2 Metern (1,44 Quadratmetern) drei Rail 120+, die jeweils 120 Watt Energieverbrauch pro Stunde aufweisen. Die Maße der Lampen sind 780 x 90 x 44 Millimeter und wurden, wie Growking angibt, in Zusammenarbeit mit der Firma Osram entwickelt. Laut Hersteller sollen diese Lampen für satte Erträge mit voluminösen Blütenständen sorgen. Das aber wollte der Grower nicht so recht glauben …

Die Installation der neuen LED-Lampen war sehr einfach. Die kleinen Vorschaltgeräte wurden außerhalb des Growzelts angebracht. Sie haben eine passive Kühlung. Laut Hersteller emittiert die LED-Pflanzleuchte bei einer gemessenen Aufnahmeleistung von 120 Watt 6,817 Lumen, was eine Leistung von rund 60 Lumen pro Watt entspricht. Sie soll der Leistung einer herkömmlichen 250-Watt Metalldampflampe entsprechen. Das ausgestrahlte Licht weist ein Verhältnis von 4:1 des roten und blauen Spektrums auf und soll somit für eine üppige Blütenentwicklung sorgen. Für den Testgrow wurden 20 9-Liter-Air-Pots mit einer leicht vorgedüngten Erde, einem Zweikomponentendünger, Wurzelstimulator, Enzymen und PK 13/14 für die Endblüte verwendet. Gegossen wurde per Hand. Die Air-Pots wurden mit vier verschiedenen Sorten Stecklingen bestückt (Amnesia, Caramelo, Ice-Grapefruit und NYC Diesel). Außer den Lampen wurde ansonsten nichts verändert. Die Erträge sind natürlich wegen der vielen verschiedenen Sorten etwas geringer und lagen mit einer HPS-Lampe meist zwischen 530 und 580 Gramm. Ein Durchschnitt von ungefähr 0,9 Gramm pro Watt. Mal abwarten, was die LED-Lampe für Erträge liefert.

Nach einer Wachstumsphase von 15 Tagen war der Tester begeistert darüber, wie gut die Pflanzen sich unter der LED entwickelt hatten, sie strotzten nur so vor Energie. Die Blätter hingen nicht herab, sondern zeigten kraftvoll in Richtung Himmel, sahen gesund und vital aus und auch die Stängel der Pflanzen haben sich kräftig entwickelt. Und das trotz eines leichten Thripse-Befalls, den der Tester aber mit Niemöl bis zur Blüte in Schach hielt. Die Blüte wurde nach 16 Tagen Wachstum eingeleitet. Anfangs sah alles super aus, bis der Jahrhundertsommer begann. Da der Tester unter einem sehr schlecht isolierten Dach growt, war es in den vergangenen Monaten unerträglich heiß für Mensch und Pflanze.

Die Temperaturen in der Blütezeit schwankten im Durchschnitt zwischen 28 und 39 °Celsius und Spitzentemperaturen bis zu 42 °Celsius waren keine Seltenheit! Was alles andere als positiv für die Babies war. Der Tester ist sich sicher, dass die Temperatur wohl noch um einige Grad höher gewesen wäre, wenn er bei dieser Hitze mit der HPS-Lampe gearbeitet hätte. Was noch fataler gewesen wäre, und der Ertrag wäre sicherlich viel geringer als sonst ausgefallen. Einige Pflanzen wie die Caramelo und auch Amnesia vergeilten regelrecht (hitzebedingt) und erreichten eine Endhöhe von ungefähr 160 Zentimetern. Normalerweise wurden sie nie höher als 130 Zentimeter, wenn bei 25 Zentimetern Wuchshöhe die Blüte eingeleitet wurde.

Ab der vierten Blütewoche gab es zusätzlich noch eine Invasion von kampfbereiten Trauermücken, was vielleicht an der Umstellung von HPS auf LED lag, da der Tester weniger als bei Verwendung von HPS-Lampen hätte gießen müssen. Blautafeln verschafften gute Abhilfe und unser Testgrower wollte sich diesbezüglich auch nicht weiter entmutigen lassen. Obwohl er zwischenzeitlich durchaus mit dem Gedanken gespielt hatte, den Test abzubrechen, weil die Umstände sich sonst extrem negativ auf die Ergebnisse ausgewirkt hätten.

Die Entwicklung der Buds ging anfangs langsam vonstatten, dann aber, ab Anfang der fünften Blütenwoche, explodierten sie regelrecht. Bis auf die Amnesia und Caramelo, welche aufgrund ihrer Größe in den Ecken und an den Außenseiten standen. Leider bekamen sie so aber auch weniger Licht, weil an den Seiten jeweils ungefähr fünf Zentimeter nicht optimal ausgeleuchtet waren. Der Tester hätte die Lampen 40 bis 60 Zentimeter hoch hängen müssen, um alles gleichmäßiger auszuleuchten. Das wollte er aber nicht, weil laut Hersteller die optimale Distanz zwischen Lampe und Pflanzen nur ungefähr 20 bis 30 Zentimeter betragen soll. Die Tiefenstrahlung ist nicht so stark wie bei der HPS, aber immer noch ausreichend und besser als erwartet. Die unteren Triebe, welche wenig bis kein Licht bekamen, wurden schon in der zweiten Blütewoche entfernt. Die niedrigeren Pflanzen wurden mithilfe von kleinen Dosen unter den Air-Pots an die Höhe der anderen angepasst. Die Indica-dominanten Sorten wie Ice-Grapefruit und NYC Diesel entwickelten dagegen fette, schwere und kompakte Buds. Was der Tester schnell bemerkte, war, dass die Pflanzen viel weniger Dünger brauchten. Etwas Skepsis blieb aber trotz allem noch bestehen. Ab der achten Woche wurden die NYC Diesel und Ice-Grapefruit gespült und in der neunten Wochen geerntet. Jetzt spülte der Tester auch die restlichen Pflanzen und auch sie wurden eine Woche später, in der zehnten Woche, geerntet.

Nach weiteren zehn Tagen Trocknung war das Staunen groß. Die Waage zeigte ganze 507 Gramm Ertrag feinster Blüten an. Irritiert wog der Tester die Menge noch zweimal ab, die Waage blieb aber dabei. Unglaublich hoch, dieser Ertrag, obwohl es leichte Probleme mit Thripsen und Trauermücken sowie der extremen Hitze gab. Außerdem growte der Tester immerhin vier verschiedene Sorten. Das ist normalerweise alles andere als optimal. Unser Testgrower war sprachlos und megahappy zugleich. Mit einer solch guten Ernte hätte er niemals gerechnet, und das mit nur 360 Watt Verbrauch – wir sprechen hier über einen Ertrag von 1,4 Gramm pro Watt!
Nach der ersten Kostprobe fiel ihm die Entscheidung zwischen HPS und LED noch leichter. Die Blüten, die unter der HPS angebaut wurden, waren bei Weitem nicht so aromatisch und geruchsintensiv wie diese. Das Ende vom Lied war, dass die HPS nun in den Keller verfrachtet wurde. Der Tester ist sich sicher, dass dieser Ertrag beim nächsten Grow sogar sehr leicht zu toppen sein wird – er ist mit diesem ersten Ergebnis zu hundert Prozent zufrieden.

Vorteile dieser LED-Lampe gegenüber einer HPS:

  • deutlich weniger Stromverbrauch
  • Lebensdauer von etwa 70.000 Stunden – deutlich geringere Hitzeentwicklung
  • weniger Düngerverbrauch
  • spritzwassergeschützte Module

Nachteil:

  • LED-Leuchten sind bei einem Stück- preis von 350 Euro nicht gerade günstig