Erfahrungsbericht „Solaris“ und „Basic Full Spectrum“

Erfahrungsbericht SOLaris Basic

Chuck Lore, den viele aus seinen Beiträgen im Highway-Magazin kennen und der auch Autor des Buches „Cannabis: Anbau, Ernte und Konsum“ ist, hat sich bereit erklärt, die neue LED-Spezialleuchte „Solaris“ mit unserem Standardsortiment zu vergleichen. Hier sein Bericht, den er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Nach einigen Vorgesprächen sandte mir die Firma Growking zwei Leuchten. Eine Pflanzlampe der bewährten Reihe „Basic Full Spectrum“, im weiteren Text kurz „Basic“ genannt, und eine der neuen Produktlinie „Solaris“. Beide nahmen rund 200 Watt Leistung auf und konnten daher gut miteinander verglichen werden.

Zuerst ein paar Worte zu Verpackung und Zubehör. Die Leuchten erreichten mich in neutralen Kartons. Der Innenraum der Verpackung war sinnvoll ausgestaltet und trug dazu bei, die Lampen samt Zubehör ohne Beschädigung zu versenden. Mit dabei waren intelligent konstruierte Aufhänger, die es ohne Probleme ermöglichten, die Lampen nahezu stufenlos in praktisch jeder gewünschten Höhe zu arretieren. Die große Herausforderung, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, wurde mit Bravur bestanden.

Doch wie war es um die Lichtleistung bestellt? Wie effizient arbeiteten die Leuchten? Diese Frage ließ sich wegen des völlig anderen Spektrums der Leuchten ohne einen Test mit möglichst hanfähnlichen Pflanzen nur annähernd beantworten. Zwar hatte die Solaris, deren Spektrum an normales Tageslicht erinnerte, einen gemessenen Lichtstrom von 17085 Lumen. Das wären dann bei den gemessenen 210 Watt Aufnahmeleistung 81,35 Lumen je Watt. Ein guter Wert, keine Frage. Auch der Photonenfluss von rund 310 µmol/s PAR (photosynthetisch aktive Strahlung) war nicht von schlechten Eltern und betrug 1,49 µmol/s je aufgenommenes Watt Leistung. Damit lag die Solaris im oberen Leistungsfeld der Pflanzleuchten. Tatsächlich wurden die Messwerte nur von den Werten der Leuchten der Reihe „Rail“ aus dem Sortiment der Firma Growking übertroffen.

Die Lampe aus der Reihe Basic wartete mit vergleichsweise bescheidenen 6965 Lumen auf, allerdings war ihr Spektrum besser auf die Bedürfnisse der Pflanzen ausgerichtet. Es wurden die typischen blau-roten Farbspektren emittiert und die Leuchte lieferte 232 µmol/s PAR. Das waren je Watt Aufnahmeleistung 1,18 µmol/s, die den Pflanzen für ihr Wachstum zur Verfügung standen.
Wurden nun die Werte auf den Kaufpreis umgerechnet, dann bezahlte der Kunde je emittiertes µmol/s bei der Solaris 1,87 Euro, bei der Basic hingegen nur 1,83 Euro. Dieser Unterschied, so marginal er auch war, musste die Solaris im Laufe ihrer Lebensdauer ausgleichen können, sonst wäre die Anschaffung kontraproduktiv.

Nun genug der einleitenden Worte und der theoretischen Betrachtungen. Beide Leuchten sollten in der Praxis zeigen, wie gut oder wie schlecht sie tatsächlich waren. Dazu wurden unter jeder Leuchte gleich viele große und kleine Brennnesseln (Urtica dioica und Urtica urens) angezogen und diese nach zwölf Wochen Wachstum geerntet. Durch die nahe Verwandtschaft dieser Pflanzen zu anderen gern gezüchteten Gewächsen konnten Rückschlüsse auf die Qualität des Lichts und der zu erwartenden Ernten geschlossen werden.
Nach vier Wochen waren die Nesseln, die von der Solaris beleuchtet wurden, so deutlich gewachsen, dass ich verwirrt war. Hatte ich mich vertan und den üppigeren Bewuchs übersehen? Oder war der markante Unterschied auf den besseren Wirkungsgrad zurückzuführen? Ich tauschte die Pflanzkübel kurzerhand aus. Wenn es an der Leistung lag, dann müssten die kleineren Pflanzen nach dem Tausch entsprechend wachsen und die Differenz bald ausgeglichen haben.

Und tatsächlich war es so, dass sich nach wenigen Wochen die Brennnesseln im Wuchs angeglichen hatten. Es schien also wirklich so zu sein, dass die Solaris trotz des pseudooptimalen Spektrums für die Pflanzen mehr photosynthetisch verwertbare Strahlung als die Basic emittierte. Nach weiteren vier Wochen war der Unterschied unübersehbar groß geworden und ich freute mich auf die anstehende Ernte und auf das Endergebnis.

Nach der Ernte wogen die Pflanzen, die unter der Solaris wuchsen, fast genau 27 Gramm, die unter der Basic hingegen nur 22,7 Gramm. Das ist ein markanter Unterschied von fast 19 Prozent, die mit der Solaris mehr geerntet wurden.

Doch wie sieht es nun mit der Wirtschaftlichkeit der Leuchten aus? Kann die Solaris ihren höheren Preis rechtfertigen? Dazu nehmen wir einfach einmal an, dass mit beiden Leuchten Gewürze gezüchtet werden, die im Handel fünf Euro das Gramm kosten. Eine Betriebsdauer von 50.000 Stunden, das sind rund zehn Jahre, wird vorausgesetzt und laut Hersteller sogar noch übertroffen. Die Solaris kostet 580,- Euro, die Basic 425,- Euro, das sind 155,- Euro Unterschied, die durch entsprechende Ernten ausgeglichen werden müssen.

Werden die Gewürze nun alle sechs Wochen reif und werden mit der Solaris 30 Gramm geerntet, dann wären mit dem Licht der Basic rund 25 Gramm zu erwarten. Bei einem Marktpreis von 5,- Euro je Gramm wäre das eine Differenz von 25 Euro, die aufgelaufen wäre. Auf ein Jahr besehen wären das dann 300 Euro Unterschied, auf die Lebenserwartung von zehn Jahren hochgerechnet stolze 3.000 Euro. Das ist mehr als das Zwanzigfache der Mehrkosten, die bei diesem Rechenbeispiel an Gewinn anfallen. Wird nun berücksichtigt, dass nicht nur eine Pflanze alle sechs Wochen aufgezogen werden kann, dann wird sich die Waagschale weiter zu Gunsten der Solaris neigen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Solaris eine durchaus respektable Pflanzleuchte ist, die durch ihr unauffälliges Licht und ihre hohe Effizienz punktet. Sowohl die gemessenen Werte als auch der Praxistest sind überzeugend. Wer mehr will, greift auf die Produkte der Reihe „Rail“ zurück. Diese Leuchten sind wegen des speziellen Spektrums noch effizienter und werden das Erntevolumen um weitere 20% im Verhältnis zur Basic erhöhen. Allerdings bleibt der Nachteil, dass ihr Licht deutlich auffälliger ist, als das der Solaris.

Die Leuchte der Baureihe Basic überzeugt vor allem durch ihr angepasstes Spektrum. Diesem ist es zu verdanken, dass diese Leuchte trotz der geringeren Lichtleistung in Lumen der Solaris praktisch gleichwertig ist. Der Unterschied von rund 20 Prozent macht sich zwar auf die gesamte Lebensdauer der Leuchte bemerkbar, ist aber kein Grund, auf den Einsatz der Basic zu verzichten. Wenn keine kommerziellen Interessen dagegen sprechen, wird den Besitzern dieser Leuchte empfohlen, diese weiter zu nutzen und nur bei Ausfall einzelner LEDs ein Wechsel zu erwägen.

Chuck Lore