Die Anzucht mittels Samen und Stecklingen

Anzucht mit Samen und Stecklingen

Vor dem Genuss steht meist die Arbeit, das ist im eigenen Garten nicht anders. Egal was angebaut werden soll, am Anfang eines jeden Pflanzenlebens steht die Keim- und Aufwuchsphase.

Eine Ausnahme sind Pflanzen, die aus Stecklingen gezogen werden. Diese sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze. Wenn eine bereits aufgezogene Sorte ohne Qualitätsänderung und ohne Kosten für Saatgut weiter kultiviert werden soll, ist diese Art der Vermehrung ideal.

Im Folgenden wird die Aufzucht spezieller Pflanzen aus einem Samenkorn, aus einem Steckling und die Kultivierung einer Mutterpflanze detailliert beschrieben.

Aufzucht aus einem Samenkorn

Beginnen wir mit der Beschreibung einer traditionellen Aufzucht. Dazu wird das Samenkorn mit der Spitze nach unten etwa fünf Millimeter tief in befeuchtete, mager gedüngte Erde gedrückt. Wichtig ist neben der Feuchtigkeit, dass das Korn völlig im Dunkeln liegt und die Umgebungstemperatur nicht unter 16 Grad Celsius fällt.

Alternativ zu dem Keimen im Boden kann der Samen auch in einem befeuchteten Papiertaschentuch eingeschlagen werden. Er wird genauso gut aufgehen, wie im Erdreich. Besonders für eine Aufzucht in Hydrokultur ist diese Art der Keimung besser geeignet.

Ist die Umgebung ausreichend feucht und stimmt die Temperatur, dann bricht das Samenkorn binnen weniger Tage auf. Sorgen über die Keimfähigkeit sollte sich der Gärtner erst machen, wenn nach zehn Tagen kein Keimblatt zu sehen ist. Fehlt nach vierzehn Tagen immer noch jede Spur von einem Keimling, hat das Samenkorn seine Keimfähigkeit wahrscheinlich verloren.

Am Anfang ist die junge Pflanze noch sehr empfindlich. Sie verträgt kein direktes Sonnenlicht und muss gegebenenfalls gestützt werden, damit sie nicht umknickt. Erst wenn das zweite Blattpaar erkennbar ist, kann die zugeführte Lichtmenge nach und nach erhöht werden. Ist ein eigener Aufzuchtsschrank vorhanden, wird die junge Pflanze die erste Zeit im Schatten der Älteren gestellt. Fehlen diese, ist der größtmögliche Abstand von der Pflanzleuchte der richtige Platz. Die weitere Aufzucht ist identisch mit der aus Stecklingen und wird weiter unten näher erklärt.

Aufzucht aus einem Steckling

Hat der Gärtner nun seine Lieblingssorte gefunden, möchte er diese natürlich weiter kultivieren. Dazu schneidet er einen mindestens zehn Zentimeter langen Trieb von der Mutterpflanze unterhalb eines Nodus (Sprossknoten) ab. Nach dem Entfernen der unteren Blätter wird dieser in PH-neutrales Wasser eingesetzt, Regenwasser ist dazu ideal. Nach einiger Zeit treibt der Trieb aus und wird dann umgepflanzt. Um das Austreiben zu beschleunigen, ist ein Wurzelstimulator dienlich, aber nicht unbedingt nötig.

Bleiben die Wurzeln aus, was bei jungen Mutterpflanzen durchaus einmal geschehen kann, ist Geduld gefragt. Meistens kommen sie, wenn die Pflanze ins Erdreich gesetzt wurde, dann doch noch. Besonders wenn sich an den Trieben kleine Knötchen gebildet haben, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch.

Für eine Zucht in Hydrokultur ist es hilfreich, die Stecklinge in feuchte Steinwolle zu setzen. Sie treiben dann besser und können nach der Wurzelbildung problemlos überführt werden.

Kultivierung einer Mutterpflanze

Hat der Gärtner seine Lieblingssorte gefunden, möchte er diese natürlich weiterhin kultivieren. Dazu wird eine Pflanze an der Blüte gehindert, das geschieht bei normalen Sorten durch eine Verkürzung der Dunkelphase bzw. Verlängerung der Hellphase. Wird diesen speziellen Pflanzen mehr als 14 oder 15 Stunden täglich Licht zugeführt, optimal sind 16 Stunden, werden sie nicht blühen. Ausgenommen sind selbstblühende Arten, diese müssen immer wieder neu aus einem Samenkorn herangezogen werden.

Optimal ist übrigens die Haltung einer Mutterpflanze unter blauem Licht. Sie wird exzellent wachsen und stämmige Seitentriebe bilden, die dann geschnitten und unter normalen Licht zur Blüte gebracht werden können. Das ist möglich, weil die Stecklinge das gleiche chronologische Alter der Mutterpflanze haben. Ist diese älter als rund vier Monate, sind die geschnittenen Seitentriebe sofort nach der Wurzelbildung, für die nach dem Einpflanzen etwa zwei bis drei Wochen Zeit nötig ist, zur Blüte bereit. Dazu werden sie nur noch zwölf Stunden täglich dem Licht ausgesetzt und binnen weniger Tage beginnt die Blütezeit, mehr dazu im nächsten Kapitel.

Wachstum und Reife

Die Stecklinge haben Wurzeln geschlagen oder der Keimling hat sein drittes Blattpaar ausgebildet. Nun befindet sich die Pflanze in einem Stadium, das sich vegetative Phase nennt. In dieser Phase bilden die Pflanzen aus dem Kohlendioxyd der Luft, den Nährstoffen aus dem Substrat und dem Licht Pflanzenmaterial. Also Wurzeln, Seitentriebe und Blätter. Sie wachsen zuweilen sehr schnell, das ist sortenabhängig. In dieser Zeit sollte der Gärtner für ausreichend Dünger sorgen und sicherstellen, dass seine Lieblinge genügend Licht bekommen. Optimal sind 16 bis 18 Stunden täglich. Mehr Licht kann die Pflanze nicht aufnehmen, weil sie eine Dunkelperiode benötigt, um den Stoffwechsel komplett abzuschließen. Weniger Licht wird dazu führen, dass die Blütenbildung eingeleitet wird, was nicht immer gewünscht wird. Ausnahmen sind auch hier die Fälle, in denen so viele Steckling zur Verfügung stehen, dass diese auf kleinem Raum zur Blüte gebracht werden.

Die vegetative Phase dauert so lange, bis die Blütenbildung eingeleitet wird. Manche Sorten werden aber ab einem bestimmten Alter langsamer wachsen, das ist kein Beinbruch. Wenn die Pflanze auch nicht mehr so schnell wächst, sie speichert dennoch Nährstoffe und bereitet sich auf die Blüte vor. Ist es dann soweit, dann wird nach der Vorblüte, die rund eine Woche dauern kann, die eigentliche Blüte beginnen. Ab diesem Punkt ist es kaum mehr möglich, die Pflanze zurück in die vegetative Phase zu leiten, was auch meist nicht gewünscht wird. Wer es doch machen möchte, der sollte es ausschließlich mit Blaulicht versuchen, dieses hat eine besondere Wirkung und ist für die vegetative Phase ideal. Blühende Pflanzen hingegen bevorzugen rotes Licht, das zu ausgeprägten Blütenständen führt. Wer allerdings genau eine Leuchte hat, der ist mit einem Spektrum von 25% blauem Licht und 75% rotem Licht gut beraten. Sogar eine Tageslichtlampe auf LED-Basis wird gute Ergebnisse hervorrufen, die Pflanzen wachsen ja auch unter Sonnenlicht hervorragend.

Die meisten der besprochenen Pflanzen blühen rund acht Wochen, ehe sie bereit zur Ernte sind. In der ersten Woche zeigen sich bei den weiblichen Pflanzen erste feine Blütenhärchen und das Wachstum verlangsamt sich. Danach erscheinen erste kleine Blüten, das Wachstum stagniert weiter. Männliche Pflanzen sollten nun aussortiert werden, sie würden die Produktion des begehrten Harzes bei den weiblichen Pflanzen nach der Befruchtung drosseln. In der dritten Woche ruht das Wachstum der Pflanze endgültig, es wird alle Energie in die Ausbildung von Blütenständen gesteckt. Deutlich ausgebildete Blüten und ein markanter Geruch zeigen die fünfte Woche an, die Ernte naht. Ab der siebten Woche sind manche Sorten bereits reif. Dies erkennt der Gärtner an den dunkel verfärbten Blütenhärchen und den milchigen Trichomen. Die Blüten glitzern zudem wie mit Eis überzogen, die Erntezeit ist da. Spätestens in der achten Woche nach dem Einsetzen der Blüte ist die Pflanze reif. Wenn sie nicht binnen weniger Tage geerntet wird, war die Arbeit vergebens, weil sich die Qualität des Harzes tagtäglich verschlechtert.