Eine Frage, die sich beim Pflanzenanbau immer wieder stellt, lautet: »Wie viel Wasser brauchen meine Pflanzen, um gut zu gedeihen?« Für die meisten Pflanzen reicht einfaches Bewässern nach Gefühl nicht aus, um ein optimales Wachstum zu garantieren und sie zum Blühen zu bringen. Pflanzenwachstum wird ja durch Faktoren wie Licht, Bodenbeschaffenheit und Wassermenge, die in ihrer Wirkung voneinander abhängig sind, ermöglicht. Es ist deshalb wichtig, all diese Faktoren beim Bewässern mit einzubeziehen, damit die Nährstoffversorgung der Pflanzen gut funktioniert.
Wie nimmt die Pflanze aber Wasser am besten aus der Umgebung auf? Dafür dienen in erster Linie die Wurzeln und zu einem weitaus geringeren Teil auch die Blattoberflächen, über die Verdunstungs- und Gasaustauschprozesse stattfinden.
Mit der Wasseraufnahme über die Wurzeln erfolgt gleichzeitig die Aufnahme von gelösten Nährstoffen, die aus dem Erdreich stammen oder durch Dünger zugeführt werden. Damit das reibungslos stattfinden kann, ist es wichtig, dass die Wurzeln der Pflanze gesund sind. Ist dies nicht der Fall, oder sind die Wurzelballen durch übertriebene Düngung oder Überwässerung geschädigt, erleidet die Pflanze Schäden. Sie treibt nicht ausreichend aus, wächst nicht schnell genug oder zeigt sonstige Mangelerscheinungen. Einen gewissen Einfluss auf die Wasseraufnahme haben ferner Tageszeit, Wassertemperatur und Lichtverhältnisse während der Bewässerung, sie sollten folglich immer in die Bewässerungsplanung einbezogen werden.

Richtiges Bewässern ist jedoch keine Hexerei und lässt sich durch Beachtung weniger grundlegender Tipps einfach bewältigen. Wie Fehler vermieden werden und die optimale Wasserversorgung der Pflanzen sichergestellt wird, erläutern die folgenden Absätze.

So viel Wasser wird in der jeweiligen Wachstumsphase benötigt

Der Wasserbedarf von Zierpflanzen ist nicht bei allen Sorten gleich hoch und er ist auch je nach Wachstumsphase, in der sich die Pflanze gerade befindet, unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: Das Nährmedium, in dem die Wurzeln verankert sind, darf niemals komplett austrocknen und niemals so feucht sein, dass Staunässe entsteht. Es sollte darauf geachtet werden, dass bei Zimmerpflanzen keine geschlossenen Töpfe verwendet werden, da überflüssiges Wasser aus diesen nicht ablaufen kann. Am besten eignen sich Tontöpfe mit Loch im Boden, die auf einen Untersetzer gestellt werden. Das hat den positiven Nebeneffekt einer zusätzlichen Sauerstoffversorgung der Wurzel. Um zu großen Wasserverlust aus dem Ablaufloch zu verhindern, ist es hilfreich, ein paar Tonscherben, zum Beispiel aus kaputten Töpfen, und etwas Kies als Dränageschicht unter dem Nährmedium zu platzieren.
Junge Pflanzen, die noch keinen ausreichend großen Wurzelballen gebildet haben, benötigen eher wenig Wasser, das jedoch häufiger als ältere Gewächse, die ihre Wurzeln bereits fest im Anbausubstrat verankert haben. Zweimaliges Gießen täglich reicht in jedem Fall aus. Fließt Wasser in den Untersetzer, ist die Pflanze meist übergossen. In diesem Fall wird das überschüssige Wasser entleert und die folgenden Tage nicht gewässert. Als Faustregel lässt sich sagen, dass die tägliche Gießwassermenge für Jungpflanzen maximal ein Zwanzigstel der Topfgröße betragen sollte.
Große, gut verwurzelte Pflanzen benötigen wesentlich mehr Wasser. Hier gilt: Je schneller das Wachstum, desto größer der Wasserbedarf. Besonders hoch ist dieser bei Pflanzen in der Blütephase. Trotzdem musst darauf geachtet werden, es nicht allzu gut zu meinen. Ein Zuviel an Wasser ist für die Lieblinge wesentlich schlechter zu verkraften als ein zeitweiliger Wassermangel. Länger andauernder Wasserüberschuss beschädigt nicht nur die feinen Wurzelhaare, sondern führt auch zu Fäulnis, Schimmel oder Pilzbefall und im schlimmsten Fall stirbt die Pflanze ab. Zur Vermeidung gibt es hier wieder eine Faustregel: Das Substrat kann ruhig bis zu zwei oder drei Zentimeter unter der Oberfläche trocken sein, wenn die tieferen Schichten feucht sind. Bei ausreichender Wassermenge genügt es dann, das Bewässern alle zwei bis drei Tage durchzuführen.
Zum Gießen sollte immer Wasser verwenden werden, das weder zu kalt noch zu warm ist. Extreme Wassertemperaturen schädigen die wichtigen Leitstrukturen der Wurzel. Von der Temperatur des Wassers hängt teilweise auch die Aufnahme von Nährstoffen und Spurenelementen ab, ein falsch gewählter Temperaturbereich kann diese behindern. Das ideale Gießwasser hat ungefähr Raumtemperatur und kommt nicht frisch aus der Leitung, sondern wurde etwa 24 Stunden lang der Luft ausgesetzt. Das hat seinen Grund darin, dass sich der pH-Wert durch die Aufnahme von Kohlenstoffdioxyd zum Sauren hin verändert. Das Wasser nimmt so die Qualität von Regenwasser an, in einem der folgenden Kapitel wird nochmal darauf eingegangen.
Eingangs wurde schon erwähnt, dass Pflanzen in der Lage sind, einen geringen Teil an Feuchtigkeit auch über ihr Blattwerk aufzunehmen. In sehr trockenen Zeiten und bei hohen Außentemperaturen ist es deshalb hilfreich, die Pflanzen zusätzlich mit einer Sprühflasche zu bewässern oder für eine höhere Luftfeuchtigkeit im Raum zu sorgen. Dabei sollten alle externen Lichtquellen, auch Spezialbeleuchtung aus dem Growshop wie LED-Pflanzenlampen, vor dem Besprühen ausgeschaltet werden. Wassertropfen auf den Blättern wirken bei intensiver Beleuchtung wie Brenngläser und können zu Schäden am Blatt führen. Nach dem Besprühen sollte mit dem Einschalten der Beleuchtung gewartet werden, bis die Tropfen getrocknet sind.

Die Wahl des Nährmediums beeinflusst die Wasseraufnahme

Das Substrat, auf dem die Pflanzen herangezogen werden, hat ebenfalls Einfluss auf die Kapazität des Organismus zur Wasser- und Nährstoffaufnahme. Je nach Beschaffenheit speichert es Wasser mehr oder weniger gut. Um eine optimale Wasserverteilung im Pflanzbehältnis zu erreichen, sollte darauf geachtet werden, dass das Nährmedium immer gut gelockert ist. Nur so können Nährstoffe gleichmäßig gelöst und im Boden verteilt werden. Eine wichtige Rolle spielt auch die Durchlüftung des Nährsubstrats. Sie sorgt dafür, dass immer genug Sauerstoff an die Wurzel gelangt. Ist der Boden unzureichend gelockert oder teilweise versumpft, weil übergossen wurde, wird die Sauerstoffzufuhr unter Umständen abgeschnitten und die Pflanze stirbt. Für eine gute Auflockerung und Bodenbelüftung sorgt zum Beispiel die Zugabe von Sand, Torf oder Kokosfasern ins Nährmedium. Wenn nicht sicher ist, ob die Speicherfähigkeit des Bodens ausreicht, um die Pflanzen gut mit Wasser zu versorgen, oder wenn Anlass zur Sorge besteht, dass die Bewässerung zu stark sein könnte, hilft ein Bodenfeuchtigkeitsmesser.

Die Bedeutung von pH-Wert und EC-Wert für das Bewässern

Diese beiden Werte stehen für sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung einerseits und für die Konzentration von Salzen in einer Nährlösung anderseits. Sie geben Aufschluss über die Qualität des Wassers und des Bodens. Wenn mit Universaldünger gedüngt wird, ist der EC-Wert ein verlässlicher Indikator für den Nährstoffgehalt im Boden.
Mit zwei einfach durchzuführenden Messungen und gegebenenfalls die Zugabe von wenigen Substanzen ist es möglich, Gießwasser mit perfekter Säurequalität und Leitfähigkeit zu erhalten. Dies ist für die Pflanzen wichtig, damit diese im Wasser gelöste Nährstoffe gut aufnehmen können. Darum sollten der Säuregrad und die elektrische Leitfähigkeit des Wassers im optimalen Bereich liegen.
Wie schon geschrieben wird der Säuregrad einer Lösung durch den pH-Wert angezeigt, die elektrische Leitfähigkeit durch den EC-Wert. Natürliches Regenwasser befindet sich meist im idealen pH-Bereich von 5,5 – 6,5 und eignet sich deshalb gut zum Bewässern von Pflanzen. Leitungswasser erreicht diesen Idealwert oft nicht. Messen lässt sich das ganz einfach mit speziellen pH-Messgeräten oder Testlösungen. Wird festgestellt, dass das Wasser, das zum Gießen verwenden wird, zu alkalisch ist (was häufig der Fall ist), lässt sich das durch Beimengen von Zitronensäure, Essig oder durch einfaches Abwarten korrigieren.
Wasser mit gelösten Salzen besitzt eine höhere elektrische Leitfähigkeit, der EC-Wert macht daher Aussagen über den Salzgehalt im Wasser. Mineraldünger, die häufig im Anbau eingesetzt werden, enthalten einen großen Anteil an Salzen. Der EC-Wert des Wassers sagt deshalb viel über die zu erwartende Nährstoffaufnahme aus. Ermitteln lässt sich dieser Wert mit sogenannten EC-Messgeräten. Für eine optimale Nährstoffaufnahme sollte Gießwasser einen EC-Wert zwischen 0,8 und 1,2 Millisiemens pro Zentimeter besitzen, wobei die Höchstwerte vor allem in der Blütephase von Bedeutung sind. Ist der gemessene EC-Wert zu niedrig, kann man ihn durch Zugabe von Düngemittel erhöhen. Ein zu hoher EC-Wert muss ebenfalls korrigiert werden, weil sonst die Gefahr der Überdüngung besteht. Das wird dadurch erreicht, indem dem Gießwasser destilliertes Wasser zugefügt wird, bis der EC-Wert wieder im optimalen Bereich ist. Testlösungen und Messgeräte sind im Growshop oder im Baumarkt erhältlich.

Die beste Tageszeit zum Bewässern

Hierzu gibt es keine einheitliche Empfehlung, Erfahrungen sprechen aber für ein Bewässern in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Argumentiert wird das damit, dass die Pflanzen zu dieser Zeit noch kühl von der Nacht sind und weil die Verdunstungsrate am frühen Morgen geringer ist. Dazu kommt, dass heiße Tage mit einer morgendlichen Wassergabe besser überstanden werden.
Werden Pflanzen unter künstlicher Beleuchtung aufgezogen oder ist mit intensiver Sonneneinwirkung zu rechnen, sollte möglichst von unten gegossen werden, damit Spritzwasser auf den Blättern nicht zu örtlichen Verbrennungen der Gewächse führt.

Automatische Bewässerungssysteme

Niemand kann seinen Pflanzen über Monate rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Für Phasen der längeren Abwesenheit bieten sich automatische Bewässerungssysteme an. Diese stehen in unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen zur Verfügung, von einfach und schnell installierbar bis zum vollautomatischen Profisystem. Die wichtigsten werden in Folge kurz vorgestellt.

Tonkegelsysteme: Tontropf- und Flächen-Tontropf-Systeme

Eine einfache und effektive Methode zur Bewässerung von Einzelpflanzen wie von größeren Anbauflächen. Im Growshop erhältliche Tonkegel, die in die Pflanzenerde gesteckt werden, erzeugen bei Trockenheit Unterdruck und saugen dadurch über ein Schlauchsystem Wasser aus einem Tank an. Je nach Größe des Reservoirs lassen sich damit mehrere kleine bis mittelgroße Pflanzen bewässern.

Pump-Tropf-Systeme

Pump-Tropf-Systeme basieren auf einer Verbindung aus Wassertank, Schlauchsystem und sogenannten Mikrotropfern, die in die Erde gesteckt werden und kontinuierlich eine exakt dosierbare Wassermenge abgeben. Dadurch kann das Nährsubstrat ständig gleichmäßig feucht gehalten werden.

Fluttische

Das System für Anbauprofis, die eine große Anzahl Pflanzen bewässern wollen. Hier werden die Pflanzen ebenfalls in erdlosem Substrat herangezogen und permanent von unten mit Nährlösung umspült. Die Tische sind so konstruiert, dass sie von einer Seite geflutet werden, an der anderen Seite rinnt die überschüssige Nährlösung wieder ab. Wenn diese Art von Bewässerungssystem eingesetzt werden soll, ist es unerlässlich, pH- und EC-Wert regelmäßig zu kontrollieren, da die Gefahr der Überdüngung hier besonders hoch ist.

Die spartanische Lösung I

In einem Wasserbehälter werden Seile aus Naturfaser mit dem einen Ende gelegt und das andere Ende kommt in den Pflanzkübel mit dem Substrat, das hier Erde sein muss, und wird dort einige Zentimeter tief eingegraben. Durch die Kapillarwirkung wird die Pflanze ständig mit frischem Wasser versorgt.

Die spartanische Lösung II

Der Pflanzkübel, der auch hier mit Erde befüllt werden muss, kommt auf einen Untersetzer, auf dem noch Platz für eine Wasserflasche aus Plastik ist. In diese Flasche wird nun unten am Boden eine etwa fünf Millimeter tiefe und ebenso breite Kerbe geschnitten. Wird die Flasche nun befüllt und mit aufgeschraubten Verschluss in den Untersetzer gestellt, wird stets nur so viel Wasser in diesen laufen, wie die Kerbe hoch ist.