Jede blühende Pflanze, deren Lebenszyklus mit der Blüte endet, durchläuft grob gesagt vor der Ernte drei Phasen. Jede dieser Phasen hat seine Besonderheiten, die in den folgenden Kapiteln beleuchtet werden

Die Keimlings- und Stecklingsphase

Nach dem Aufgehen des Saatkorns ist die Pflanze noch sehr empfindlich. Sie verträgt nur wenig Licht und benötigt ein nährstoffarmes Substrat, in dem sich die Wurzeln weiter entwickeln können. Gleiches gilt für junge Setzlinge. Auch sie drohen zu verdorren und bereiten sich erst langsam auf die kommenden Phasen vor.

Beim Innenraumanbau werden die jungen Gewächse unter anderen Pflanzen in den Schatten gestellt oder in eine separate Anzuchtsbox verbracht. Die Beleuchtungsdauer liegt zwischen 16 und 18 Stunden, allerdings ist unbedingt darauf zu achten, dass die Lichtmenge nicht zu hoch ist. Eine LED-Pflanzleuchte, die ihr Licht vorzugsweise im blauen Bereich emittiert, ist mit 50 Watt ausreichend dimensioniert, um einen halben Quadratmeter mit genügend Licht auszuleuchten.

Zeigt der junge Keimling sein viertes Blattpaar, geht seine Kindheit vorüber und die vegetative Phase beginnt. Analog dazu entwickeln Stecklinge nun neue Seitentriebe und ihr Wachstum ist unübersehbar.

Die vegetative Phase

Mit dem Anschlagen des Stecklings bzw. dem fortgeschrittenen Wachstum des Keimlings kommt die Pflanze in ihre mittlere Lebensphase. In dieser Zeit möchte sie so viel Pflanzenmaterial wie nur eben möglich bilden. Dazu braucht sie neben zahlreichen Nährstoffen viel Licht. Ideal ist auch hier ein blaulastiges Spektrum, das hilft zu einem kompakten, dichten Wuchs.

Neben dem Spektrum muss auch die Leistung der Leuchte zu der Wachstumsphase passen. Optimal sind LED-Pflanzleuchten mit 300 Watt Aufnahmeleistung je ausgeleuchtetem Quadratmeter Grundfläche. Die Lichtsättigung von Sonnenpflanzen wird auf dieser Fläche mit LED-Lampen, die etwa 600 Watt aufnehmen, erreicht. Installationen mit höherer Leistung müssen mit Kohlendioxyd begast werden, damit das Licht verwertet werden kann.

Das Ende der vegetativen Phase lässt sich nicht immer exakt festlegen. Manche Pflanzen entwickeln sich tageslichtabhängig und werden bei entsprechend langer Beleuchtung in diesem Stadium verharren. Erst wenn die tägliche Beleuchtungsdauer unter dem kritischen Wert von vierzehn Stunden sinkt, wird die Blüte eingeleitet. In der Praxis haben sich Werte von zwölf Stunden Licht zu zwölf Stunden Dunkelheit bewährt. Das stellt sicher, dass auch kurzzeitige Lichteinwirkung in der Dunkelphase die Blüte nicht gefährdet.

Die Blüte

Endlich ist es so weit, die letzte Lebensphase der geliebten Schätzchen hat begonnen. Was, so fragt sich der Grower mit Recht, kann nun getan werden, um das Ergebnis zu maximieren? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, zu unterschiedlich sind die Ansprüche der Pflanzen in dieser Zeit. Doch zwei Dinge sind immer gleich und sollten beachtet werden.

Zum einen ist da die Frage nach dem richtigen Dünger. Am besten werden nun deutlich weniger Stickstoff, aber weiterhin ausreichend Mineralien, zugeführt. Weil die Pflanze kaum noch wächst, ist nun der Bedarf an Nährstoffen deutlich geringer als in der vegetativen Zeit.

Die andere Frage ist die nach dem korrekten Licht. Hier fällt die Antwort eindeutig aus, die Pflanze benötigt deutlich mehr rotes Licht, als in ihrem vorherigen Leben. Auch wenn die Photosynthese mit blauem Licht weiterhin unverändert aktiv fortgesetzt wird, so hilft das rote Licht der Blütenbildung sehr.

Der Erntezeitpunkt

Am Ende der Blütezeit steht die Ernte. Der richtige Zeitpunkt dazu ist eine Frage, die unerwartet einfach zu beantworten ist. Bei harzhaltigen Blütenständen wird die Reife durch die Farbe der Stempel leicht erkennbar. Wenn diese zur Hälfte dunkel verfärbt sind, ist die Pflanze bereit.

Zusätzlich kann auch die Farbe des Harzes zur Reifebestimmung herangezogen werden. Sind die meisten Harzdrüsen milchig, dann ist das ein gutes Zeichen für eine baldige und gelungene Ernte.